Tagesgeld und Festgeld Jahresrückblick 2012

Das Jahr 2012 war am Kapitalmarkt von sinkenden Zinsen der EZB gekennzeichnet, wobei die Zinsschritte schon im Jahr 2011 begonnen hatten. Sie verliefen aufgrund der Euro-Krise uneinheitlich, die Auswirkungen auf die Fest- und Tagesgeldzinsen folgten dementsprechend teilweise überraschend und ohnehin mit Verzögerung. Um das zu verstehen, muss die Leitzinsentwicklung betrachtet werden.

Zinsschritte der EZB seit Anfang 2011

Die Europäischen Zentralbanker nahmen seit Anfang 2011 bis zum letzten Zinsschritt am 05.07.2012 insgesamt fünf Zinsschritte vor, die jeweils unterschiedliche politische Hintergründe hatten und mit der Euro-Krise, aber auch der generellen konjunkturellen Entwicklung verknüpft sind. Folgende Zinsschritte gab es seit April 2011:

  • 07.04.2011: 1,25%
  • 07.07.2011: 1,50%
  • 03.11.2011: 1,25%
  • 08.12.2011: 1,00%
  • 05.07.2012: 0,75%

Während zwischen April und Juli 2011 eine wirtschaftliche Erholung absehbar schien und die Auswirkungen der Griechenland-Krise noch nicht vollständig bekannt waren, erschloss sich den europäischen Zentralbankern ab dem frühen Herbst 2011 das Ausmaß der Gesamtsituation, zudem zeigten sich in Europa erste Anzeichen einer Rezession, gegen die sich allerdings starke Staaten wie Deutschland noch lange stemmten. Seit November 2011 gab es also drei Zinssenkungsschritte, die zu einem historischen Zinstief in der Eurozone von gegenwärtig 0,75% führten. Global betrachtet gibt es in entwickelten Volkswirtschaften noch niedrigere Zinsen, nämlich in den USA und Japan. Europa ist jedoch durch die Erfahrungen des frühen 20. Jahrhunderts geprägt und fürchtet nichts mehr als die Inflation, daher sind die Zinssenkungen der EZB ein sehr starkes Signal.

Auswirkungen an den Finanzmärkten

Die Bauzinsen und auch Zinsen auf Verbraucher- und Unternehmenskredite gaben erfreulicherweise nach, allerdings auch Tages- und Festgeldzinsen. Im Jahr 2011 waren noch Angebote um 4,25 Prozent und in einem Fall (BigBank) sogar über 5,00 Prozent beim Festgeld zu finden, im Verlaufe des Jahres 2012 sanken die Zinsen für Anlagen kontinuierlich auf gegenwärtig maximal 4,00 Prozent beim Festgeld, was nur ein einziger Anbieter offeriert (sonst zwischen 3,00 bis 3,50 Prozent je nach Laufzeit), beim Tagesgeld bieten die Banken in besten Fällen um 2,00 bis 2,10 Prozent an. Hier waren Anfang 2012 noch Angebote von knapp drei Prozent zu finden. Das Tagesgeld soll dennoch weiter genutzt werden, es schafft immerhin einen Inflationsausgleich für sämtliche freie Liquidität, doch Geld, das wirklich übrig ist, gehört aufs Festgeldkonto.