Bund verkauft keine Schatzbriefe mehr

Seit Jahrzehnten gelten die Bundeswertpapiere – Anleihen, Obligationen, Schatzanweisungen, Schatzbriefe – als die sicherste Geldanlage. Kein Wunder, denn als Emittent erfreut sich der Staat bis heute des höchsten Vertrauens seiner Bürger. Besonders vorteilhaft ist es für den cleveren Sparer, ein gebührenfreies Einzelschuldbuchkonto bei der Bundesfinanzagentur zu eröffnen. Doch das wird sich nun ändern. Ab 2013 stellt diese den Verkauf von Bundeswertpapieren an Privatkunden ein. Der Grund dafür sei, dass das Bundesministerium der Finanzen bei der Kreditaufnahme sparen wolle, so die Erklärung des Sprechers der Finanzagentur. Mit rund 8,5 Milliarden Euro auf circa 330.000 Konten von Privatanlegern betrage das Privatgeschäft nicht einmal ein Prozent des ganzen umlaufenden Kreditvolumens des Bundes, daher sei es viel zu klein und der Aufwand dafür zu groß.

Dass das Privatkundegeschäft so gewaltig geschrumpft ist, liegt an den mickrigen Zinsen, mit denen der Staat seine privaten Geldgeber abzuspeisen versucht. Zumal die Bundeswertpapiere in den 1990er Jahren mit satten Renditen glänzten, ist es nicht verwunderlich, dass das Privatgeschäft damals ansehnliche 15 Prozent betrug.

Wer sein Geld über die Finanzagentur direkt investieren möchte, habe bis Ende 2012 Zeit. Neue Emissionen von an der Börse handelbaren Bundeswertpapieren können sogar bereits ab dem 22. August 2012 nicht mehr auf ein Einzelschuldbuchkonto bei der Bundesfinanzagentur übertragen werden. Bestehende Privatkundenkonten werde die Finanzagentur immerhin bis zur Fälligkeit aller darin verwalteten Bundeswertpapiere weiterführen. Wer auch ab 2013 Vater Staat Geld leihen möchte, der kann es zwar tun. Jedoch nicht mehr direkt bei der Bundesfinanzagentur, sondern bei seiner Hausbank oder Sparkasse. Allerdings: Bundeswertpapiere nicht direkt vom Staat zu erwerben, zu deponieren und verwalten zu lassen, kostet die bei den Banken und Sparkassen entsprechenden Depotgebühren und Transaktionsgebühren.

Dass die Bundesregierung sparen will, kann an sich als positiv angesehen werden. Doch aus der Opposition sind kritische Stimmen zu hören. So bezeichnet Carsten Schneider – Haushaltsexperte der SPD-Bundestagsfraktion – die Entscheidung als einen Fehler. Und begründet seine Meinung damit, dass die Bundesregierung sich dadurch von dem ohnedies sehr mächtigen Kapitalmarkt abhängig mache. Den Kreditinstituten kann es wiederum recht sein, neue Kunden zu bekommen. Ihren Unmut hatten sie ja 2008 deutlich gezeigt, als der Bund seine Tagesanleihe, die als unerwünschte Konkurrenz zum beliebten Tagesgeld empfunden wurde, auf den Kapitalmarkt lancierte.